Peter Hahn   4/06                                                                           Hahn.BJMP@t-online.de    

 

 

Das Einradfahren

Informationen zum schnellen Lernen und Vermitteln für Trainer und Lernende

 

 

 

Grundbedingungen des Einradfahrens und –lernens

 

Einradfahren ist einständiger Balancevorgang. So wie es leichter ist, einen graden Stiel zu balancieren, ist es auch beim Einradfahren.
Die Sattelstange setzt sich in der Wirbelsäule des Einradfahrers fort.

 

Das Gehirn sollte beim Anfänger Zeit bekommen, mit entspannter Muskulatur die Situation auf dem Einrad kennen zu lernen, zu errechnen und schließlich chemisch zu speichern. Es benötigt dafür nach Erfahrungen rund zwanzig Minuten. Man lernt auch anders das Gleichgewicht zu halten, dann besteht aber die Gefahr, dass man die dabei angstbedingte Muskelverspannung hinzulernt.

Und Einradfahren funktioniert immer nur optimal bei entspannter elastischer Muskulatur. Das gilt selbst beim Bergauffahren und bei kraftaufwendigen Tricks.

Drei Grundregeln sind unbedingt zu beachten:

  1. Ein zügiges Vorwärtsfahren erleichtert die Balance. Die Massenträgheit des Körpers verhindert dann das Abkippen nach recht und links.
  2. Nur soviel Kraft einsetzen, wie für den Trick erforderlich ist. Jedes Zuviel an Kraft muss wieder aufgefangen werden und nimmt zumindest dem Fahren die Eleganz. Einige Tricks gelingen dann nur schlecht.
  3. Kraft fließen lassen und bei der Abfolge von Tricks für den jeweils nächsten mit einsetzten.
  4. Kraft bei Hüpf- und Sprungübungen im Körper speichern und bei Bedarf wieder freigeben.

 

 

Einstellung des Einrads, Kleidung und Körperhaltung

 

Die Pedalen werden mit den Fußspitzen getreten. Die Schwingfähigkeit des Fußgewölbes ist notwendig, um rund treten zu können und die Wadenmuskeln zu entlasten. Einige Tricks, bei denen es auf das Speichern von Energie ankommt, würden sonst auch nicht zufrieden stellend gelingen.

Es gibt nur eine Möglichkeit, die richtige Sattelhöhe zu ermitteln, nämlich den Einradfahrer auf das Gerät zu setzen. Das Bein muss noch ein wenig eingeknickt sein.

Bitte darauf achten, von Anfang an gepolsterte Radlerhosen zu tragen. Im Schritt verlaufen viele Adern und Nerven, die es, nicht nur speziell beim Mann, nicht mögen, auf Dauer gepresst und abgedrückt zu werden. In diesem Zusammenhang auch nicht am Preis für den ergonomischen Sattel sparen. Bei einem zu weichen oder einem zu harten ist die Belastung für das Gesäß gleich „schmerzhaft“ zu spüren.

Das richtige Pedal ist Sicherheitsfaktor Nummer eins. Die Pedale sollten mit ihren Noppen den Schuh auch dann noch halten, wenn bei Fahrten draußen die Schuhsohlen einmal nass wurden. Solche geeigneten Pedale sind preiswert im Fahrradhandel zu bekommen. Eine Bemerkung noch zu den Schuhen. Sie sollten eine möglichst dünne Sohle haben, damit der Sportler das Pedal noch „fühlt“ bzw. „im Griff hat“

Abgesehen von einigen Spezialtricks benötigt man für das Einradfahren einen stark aufgepumpten Reifen. Das normale 20-Zoll Halleneinrad sollte helle Reifen haben. Gutes Einradfahren lernt man in der Halle. In einigen sind aber nur helle zugelassen. Mit hellen Reifen kann man durchaus auch draußen fahren. Man muss sie nur eben vor der Hallennutzung wieder reinigen.

Pflicht für jeden, der außerhalb der Halle fährt, ist es, Knieschoner und Radlerhandschuhe zu tragen. Wenn man fällt, fängt man sich in der Regel reflexartig mit den Händen ab und streift zum Schluss mit den Knien am Boden.

Eine kurze Anmerkung in diesem Zusammenhang zum Unfallrisiko und dem Helmtragen. Der Einradfahrer befindet sich in Fußbankhöhe mit den Füßen über dem Boden. Die Fahrgeschwindigkeit in der Halle und draußen beim Einradwandern ist mit rund 12km/h nicht sehr hoch. Das Einrad fällt zudem physikalisch, im Gegensatz zum Inliner, langsam. Hier beim richtigen Heruntergehen von der Giraffe wird das deutlich. Helme müssen bei

Straßenrennen und können ansonsten natürlich getragen werden.

Bevor man mit dem Einradfahren beginnt, ist es hilfreich, sich bewusst zu machen,

-          beim Normalfahren bewegt sich der Oberkörper kaum,

-          die Arme liegen entspannt am Körper,

-          die Balancehaltung der Arme nur einbringen, wenn es der Körper einfordert oder wenn Parade gefahren werden soll,

-          die Arme pendeln bei der Normalfahrt nicht,

sie sind jedoch bei verschiedenen Tricks unverzichtbare Schwungkörper, die es z. Beispiel auch ermöglichen, den Impuls der Vorwärtsfahrt ohne großen Schwungverlust in die Rückwärtsfahrt zu bringen.

Das Einrad ist physikalisch über mehr als ein bis zwei Meter nur mir gerader oder nach hinten gestellter Sattelstange zu fahren und zu lenken. Die gerade Stange entspricht der Fahrt auf ebener Fläche, die nach hinten gestellte einer mehr oder weniger starken Steigung.

Jedes Vorschieben des Beckens kippt die Stange nach vorne und den Fahrer schließlich vom Rad. Also bitte bei allen Tricks beachten: ein Hohlkreuz bilden hat nichts mit geradem Sitzen zu tun, sondern behindert grundsätzlich das Fahren.  

 

Die ersten Fahrversuche

-Etwas Methodisches vom Lernen-

 

Währenddessen der künftige Einradfahrer ca. 20 Minuten im Barren verbracht und sich dort vielleicht gelangweilt hat, lernte sein Gehirn, wie man auf einem Rad im Stehen die Balance hält.

In den dann kommenden 15 Minuten sollte der oder die Lernende nicht sich selber überlassen bleiben. Das Lernen erfolgt unbewusst. Genauso unbewusst könnte auch Falsches gelernt werden.

Wichtig ist, dass der Lernende das Gefühl hat, sicher gehalten zu werden. Mit beiden Händen wird er deshalb nun verbindlich am Arm festgehalten. Er selber sollte sich am Trainer nicht festhalten können. Nach und nach, mit zunehmendem Lernerfolg, soll die Hilfe ja verringert werden. Eine noch angstvoll festklammernde Hand bekäme der Trainer aber nicht gelöst

Das Lernen gelingt am Schnellsten, wenn ständig das Können rückgemeldet wird. Zu diesem Zweck wird der Arm fest mit Druck gehalten. Sollte der Lernende in diesem Fall sicherer und damit entspannter werden, lockert sich für sie sofort erkennbar der Griff des Trainers. Unsicherheiten, d. h. meist Verspannungen bemerkt er so sofort am festeren Griff.

Generelle Verstärker, wie „gut“, „richtig“, „genau so“ ergänzen ständig die Informationen über den Lernfortschritt.

Der Lernende muss am Anfang

  1. auf das Balancieren auf dem Einrad,
  2. das gleichmäßige ununterbrochene Treten der Kurbel und
  3. auf eine Mindestgeschwindigkeit achten.

Das überfordert natürlich. Deshalb wird erst Balancieren, dann Balancieren und gleichmäßiges Treten und dann zusätzlich noch die Geschwindigkeit geübt.

Nach drei bis vier Hallenlängen genügen fast immer schon das Festhalten mit einer Hand, dann mit stark gelockerter Hand und schließlich nur noch das Halten am kleinen Finger. Die zweite Hand des Trainers ist jederzeit in der Lage, wieder vollen Halt zu gewährleisten

Einige Empfehlungen noch zum Schluss:

Verzichten sie als Trainer darauf, auf Fehler hinzuweisen. Dies kann leicht als Tadel verstanden werden und würde zu Verspannungen führen. Nur auf jeden neuen kleinen Erfolg wird hingewiesen.

Der Trainer sollte humorvoll mit ruhiger Stimme das Lernen begleiten.

Arbeiten sie sowohl bei Jüngeren als auch Erwachsenen viel mit Vergleichen und Bildern. Diese sind in der Regel bereits mit Bewegungsvorstellungen besetzt und brauchen nicht erst von der Sprache her im Gehirn transferiert werden. So wäre „sitz gerade“ bei einem Kind schwer umzusetzen. Sitz „wie eine hochnäsige Prinzessin“ würde dagegen sofort die Idealeinradsitzhaltung auslösen.

Ach ja, noch etwas, jede Trainingsstunde hört mit einem, wenn auch noch so kleinem, Lernzuwachs, der auch mitgeteilt wird, auf.

 

Normalfahren

 

An der Art, wie ein Könner auf dem Einrad „normal“ fährt, kann man schon schließen, in welcher Qualität er vermutlich schwierige Tricks, wir sprechen im Einradenglisch von Skills, ausführen wird. Der Körper ist bei der Normalfahrt, wie auch bei vielen anderen Skills, gerade ohne Hohlkreuz und setzt sich ohne Knick von der Sattelstange aus fort. Die Muskulatur ist entspannt aber elastisch. Die Arme hängen ohne zu Pendeln am Körper herab. Die gleichmäßige Tretbewegung wird zu keiner Zeit unterbrochen. Das Rad schlägt beim Treten nicht zur Seite. Dies würde ja bedeuten, dass mehr Kraft, als für die Vorwärtsfahrt benötigt wird, eingesetzt wurde und nun seitlich ausbricht. Die Fußspitzen auf den Pedalen zeigen nach unten, um fließend den toten Tretwinkel unten und oben zu vermeiden.

Dies korrekte Normalfahren ist u. a. Vorraussetzung zum Fahren kleiner Kreise (Spins), für das Einbeinfahren und den Radlauf.

 

Kurve fahren

 

Wenn man das Einrad seitlich kippt, fährt es einen Kreis. Es geht physikalisch auch nicht anders. Nichts anderes ist erforderlich, um saubere Kurven, ausgehend von der Normalfahrt, zu fahren. Der gleichmäßige sanfte Druck auf beiden Pedalen bleibt. Die Schulter bleibt ebenfalls gerade. Nur die Hüfte knickt sanft fließend zum gedachten Kreismittelpunkt hin ab. Anfangs gefällt dem Körper, wie der Anfänger feststellen wird, die Kurvenfahrt nicht und er baut im Bauchraum Spannung auf, die schließlich leicht zum Verreißen führt. Um dies zu überwinden reicht es aus, einige Male darauf zu achten, dass die Bauchdecke weich bleibt.

 

 

Aufstiege

 

Normalaufstieg

 

Niemand kann genau sagen, wie viele Möglichkeiten und Variationen des Aufstiegs es gibt.

Der Normalaufstieg wird von Älteren leichter gelernt. Für Auftritte und Küren ist er aber ungeeignet, weil er den Fluss des Geschehens zu sehr unterbricht.

Beim Normalaufstieg hat der Einradfahrer den Sattel unter dem Gesäß. Ein Fuß ist auf der zum Boden gerichteten Pedale. Ohne besonderen Schwung (das Gesäß bleibt unten) führt er seinen Fuß, der bisher noch auf der Erde war, über die obenstehende Pedale hinweg, kippt den Fuß nach unten und zieht die Pedale nach hinten. Bis jetzt darf die Sattelstange noch nicht senkrecht zum Boden stehen. Durch das Zurückziehen der Pedale wird die Stange des Einrads weiter aufgerichtet und der Fahrer mit dem Gesäß nach oben gezogen. Der Fahrer streckt sich, während er nach oben gezogen wird. Bevor die Sattelstange im rechten Winkel zum Boden steht, bewegt er die Pedale nach vorne.

Der Einradfahrer muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass er nach dem Aufstieg nicht warten darf, bis sich seine Situation nach seinem Gefühl stabilisiert hat. Erst durch das Fahren wird volle Stabilität erreicht. Nun kann sich der Einradfahrer mit seinem vollen Gewicht auf dem Sattel niederlassen.

 

Standardaufstieg ohne Zurücktreten („langsamer Jet-mount“)

 

Kinder und Jugendliche kommen in der Regel ohne jede Hilfe zu diesem Aufstieg. Das Prinzip ist einfach. Aus der Gehbewegung heraus stellt der Einradfahrer mit wenig Aufdruck einen Fuß auf die Pedale, die unten auf ihn zukommt und schiebt gleichzeitig mit der Hand von vorn den Sattel unter das Gesäß. Durch den Fuß auf der Pedale blockiert, kann das Einrad dem einwirkenden Bewegungsimpuls nicht nach vorne ausweichen. Darum steigt der Sattel mit dem Einradfahrer nach oben. Der andere Fuß wird nun auf die vordere Pedale, die sic bis dahin kaum bewegt hat, gesetzt. Bedingt durch den Bewegungsimpuls verlagert sich der Schwerpunkt des Fahrers weiter nach vorn. Durch das im Anfang vorsichtige Vorwärtstreten wird die einsetzende Fallbewegung nach vorn in eine stabile Fahrbewegung überführt.

Sollte ein Kind einmal dennoch mit diesem Aufstieg Schwierigkeiten bekommen, reicht meist schon das Hilfsbild: „Du musst dich dabei ganz leicht machen.“

Nach dem gleichen Prinzip gelingt der Aufstieg auch ohne Gehbewegung. Wichtig ist nur, dass ein ständiger Druck auf den Sattel ausgeübt wird.

 

 

Sidemount

 

Dieser Aufstieg wird jetzt von der linken Seite her dargestellt. Analog ist dieses natürlich auch von der anderen Seite her möglich.

Der Einradfahrer befindet neben dem Einrad. Sein linker Fuß steht auf der sich unten befindenden Pedale. Das rechte Bein steht hinter der Pedale neben dem Einrad. Die rechte Hand des Einradfahrers hält den Sattel fest, schiebt ihn zur Seite und ein wenig nach hinten. Der Einradfahrer belastet mit seinem Körpergewicht die Pedale. Der Sattel, der sich daraufhin auf den Fahrer hin zu bewegen will, wird in der vorherigen Stellung gehalten. Das rechte Bein wird zwischen dem linken und dem Einrad nach vorne bewegt, angehoben und über den vorderen Teil des Sattels geführt. Erst nun wird langsam der Sattel mit der Hand unter das Gesäß geschoben. Währenddessen greift der rechte Fuß von vorn gegen die rechte Pedale und drückt sie nach hinten, bis die Sattelstange, die sich nach vorne bewegt, die gewünschte Neigung zur Vorwärtsfahrt erreicht hat. Durch Vorwärtstreten wird das Einrad stabilisiert.

Dieser Aufstieg ist, einmal beherrscht, sehr sicher, langsam und statisch stabil.

 

Jumpmount(Sprungaufstieg)

Dies ist ein spektakulärer aber sehr leicht zu erlernender Aufstieg.

Als Erstes springt der Einradfahrer probeweise ohne Einrad, um herauszufinden, welches Bein er als vorderes bei diesem Aufstieg favorisiert.

Der Trainer stabilisiert nun das Rad mit seinem Fuß am Reifen und mit der linken Hand am Sattel und gibt zudem Stützung am Arm des Lernenden.

Dann die Stabilisierung des Sattels nach und nach wegnehmen, um den Einradfahrer dazu zu bringen, sich beim Aufsprung nicht mehr am Sattel abzustützen.

Dann wird auch die Stabilisierung des Reifens weggenommen.

Bei Einradfahrern, die leichte Angst vor dem Sprung haben, gibt es auch die Möglichkeit, durch Matten die Angstschwelle zu verringern.

Zum Schluss gibt es nur noch symbolische Hilfe am kleinen Finger.

 

 

Rückwärts fahren

Zum Erlernen dieses Tricks benötigt man kaum nennenswerte Hilfen. Wichtig ist nur, das Becken vorzuschieben, damit die Sattelstange fast senkrecht ist, ohne den Rücken in Rückwärtsfahrtrichtung zu kippen.

Diese Haltung ist im Übrigen bei allen Rückwärtsfahrten sinnvoll.

Die dargestellte Hilfe nimmt am Anfang ein wenig das ungute Gefühl, ohne Sichtkontakt zu fahren

 

Stand-Wipp

 

Stand-Wipp ermöglicht es dem Einradfahrer, mit seinem Einrad auf der Stelle zu verharren, ohne die Füße zum Boden zu nehmen und ohne größere Energie zu verbrauchen. Im Gegensatz zum Freeze, einem reinen Ballanceakt, bei dem das Einrad überhaupt nicht bewegt wird, ist der Stand-Wipp sicher, dauerhaft und kalkulierbar.

Die Sattelstange darf, was sonst instabilisiertend wirkt, den Winkel von 90 Grad nach vorn überschreiten. Je geschmeidiger und entspannter die Gegenbewegungen des Körpers zum Einrad sind, desto entspannender und kräfteaufbauender ist auch diese Einradsituation für den Einradfahrer.

Das Stand-Wipp kann der Lernende auch ohne Anleitung über längerer Zeit trainieren.

 

 

Enge Kreise (Spins) und Pirouetten

 

Die einfache Kurvenfahrt wurde unter „Kurven“ schon beschrieben. Sauberes Kreisfahren, bis hin zum Spin, also einen Kreis unter 1 m Durchmessser, schließt sich daran an. Zur Erreichung des optimalen Spin ist folgendes zu beachten:

  • ·               Aufrechter Sitz (Wirbelsäule und Sattelstange bilden eine Linie)
  • ·         Gleichmäßige Antrittsfrequenz
  • ·         Gleichmäßiger Antrittsdruck (Der Druck auf die Pedale ist beidseitig gleich und so gering wie möglich; das Rad schwingt nicht mehr hin und her)
  • ·         Entspannte Bein- und Körpermuskulatur

Noch eine Anmerkung zur Armhaltung. Der Körper sucht sich selber, entsprechend seiner Proportionen, die geeignete, wenn er daran nicht gehindert wird und die Arme entspannt bleiben.

Die Kreise sind, wie gesagt, aufrecht sitzend zu fahren. Man erreicht sie zwar auch mit einer Vorlage des Oberkörpers und das Verlagern des Gesäßes nach hinten ohne Hüftknick. Dies sieht dann aber nicht nur etwas unästhetisch aus sondern würde auch den verlässlichen Aufbau einer senkrechten Wendel bei der anschließenden Pirouette behindern.

Beim Übergang zur Pirouette unterbricht der Fahrer die Raddrehung und stellt die Pedale waagerecht und geht leicht auf die Zehenspitzen. Die Arme werden schnell aber fließend vor der Brust gekreuzt und der Körper soweit möglich gestreckt. Die Drehung erhöht sich. Bevor die Pirouette evtl. kippt, werden die Arme wieder seitwärts gestreckt. Die Drehung verlangsamt sich und die Fahrposition kann stabilisiert werden.

Der übergangslose enge Spin aus der Geradeausfahrt gelingt, wenn man schnell aber fließend die Hüfte bei gerader Körperhaltung stark in Richtung des Mittelpunktes des beabsichtigten Spins kippt.

 

Einbein

 

Eine Methode des Ausformens dieses Tricks hat sich als sehr schnell und effektiv herausgestellt:

Der Lernende sitzt auf seinem Rad und stützt sich mit einem Arm an der Hallenwand ab. Einen Fuß seiner Wahl setzt er auf die Radgabel. Der Helfer hält den freien Arm an der Hand und dem Ellenbogen fest. Nun versucht der Einradfahrer mit dem Fuß auf der Pedale zu schwingen. Erst wenn ein gleichmäßiges, nach beiden Seiten hin hohes Schwingen erreicht ist und der Körper dabei entspannt bleibt, geht es zu nächsten Lernschritt über.

Der Einradfahrer wird weiterhin, für sein Empfinden sicher, mit zwei Händen gehalten. Einbeinfahren funktioniert nur aufrecht und entspannt sitzend. Dem Lernende wird darum mit ruhiger Stimme geraten, trotz seiner Anspannung gerade und elastisch-entspannt zu bleiben. Es wird vereinbart Mit „eins . . zwei. . .drei“ versucht man nun, aus der Pendel- in eine Drehbewegung zu kommen. Dann sofort nach den ersten erfolgreichen Raddrehungen wird das verbindliche Festhalten gelockert. Der Einradfahrer kann nur so lernen, durch Auspendeln des Körpers seine Fahrt zu stabilisieren.

Nach den ersten freien Fahrten durch die Halle mit Anfahrtunterstüzung ist noch einmal dem Lernenden beim Übergang von der Normalfahrt zum Einbeinfahren zu helfen. Außerdem muss geraten werden, das Bein jeweils mit Muskelkraft wieder hochzuziehen, damit der Schwung des Rades nicht verbraucht und die Fahrt mit völlig ruhigem Oberkörper erreicht werden kann.

 

Radlauf(Wheelwalk)

 

Radlauf ist ein Skill, den sich

Einradfahrer unter Anleitung gegenseitig erarbeiten können. Wichtig ist nur, die Lernenden zu informieren, vier Bedingungen verbindlich zu beachten:

  • ·         Aufrechter Sitz (auch hier bildet die Sattelstange mit der Wirbelsäule eine Linie) Da man selber anfangs keine körperliche Rückmeldung des aufrechten Sitzes hat, ist gegenseitige Korrektur unverzichtbar.
  • ·         Entspannte Körpermuskulatur (Das Festhalten durch den Helfer muss anfangs spürbar sicher und verbindlich sein.)
  • ·         Die Fußspitzen zeigen bei der Berührung des Reifens leicht nach innen (Auch wichtig für andere Skills, z. B. Stand-Wheel-Walk).
  • ·         Ununterbrochenes Treiben des Reifens (Ein Fuß gibt übergangslos an den anderen ab).

Das Treiben des Reifens durch die Füße muss automatisch und rhythmisch werden. Bis sich diese Automatik verfestigt hat, vergehen meist einige Wochen.

Der Radlauf wird beherrscht, wenn das getriebene Rad keine Seitenbewegungen mehr ausführt, ruhig-gleichmäßig läuft und der Körper des Einradfahrers keine Pendelbewegungen mehr ausführt.

 

Das Einbein-Wheel-Walk wird in der Regel beiläufig gelernt. Der Trainer muss auch hier darauf achten, dass sich am Ende ein Gesamtbild wie beim normalen Radlauf zeigt. Wichtig ist, dass der Reifen unter dem Fuß nicht durchrutscht, also gleitet.

 

 

Gliding

Beim Gliding wird das auf Geschwindigkeit gebrachte Einrad durch Schleifen eines Fußes auf dem Reifen kontrolliert.

 

Bevor der Lernende beginnt, sich diese Technik anzueignen, sollte erst einmal seine Ausstattung geprüft werden. Gliding setzt gewisse Gleiteigenschaften voraus. Mit stark und grob profilierten Turnschuhen auf einem ebenfalls stark profiliertem Reifen lässt sich selbst für den Könner schwer gliden.

Es gibt zwei Möglichkeiten, zur Glidinghaltung zu kommen:

  1. Aus der Standardfahrsituation
  2. Aus der Einbeinsituation

Welche Möglichkeit gewählt wird, hängt auch davon ab, wie geübt der Einradfahrer bereits in der Einbeintechnik ist. Da das Gliding aber Einstieg für weitergehende Tricks ist, muss ohnehin der Übergang aus der Einbeinsituation irgendwann beherrscht werden.

Das Anfahren muss ruhig erfolgen.

Beim Übergang ins Gliding sollte ruckartiges Nachvornebeugen, also der Schutzreflex, der anfangs immer eintritt, zunehmend vermieden werden.

Auch beim Gliding setzt sich die Stange in der Wirbelsäule fort.

Nur bei Kurvenfahrten beugt sich der Oberkörper automatisch leicht vor.

Bei Anfängern kann es hilfreich sein, von zwei Freunden ein paar Mal gezogen zu werden, um erst einmal Erfahrungen mit dem notwendigen Andruck und der dabei aufrechten Körperhaltung zu machen.

Der nächste Schritt beim Gliding sollte dann das Verlagern des gleitenden Fußes auf die Gabel sein. Der Andruck kann dadurch noch geringer gehalten und besser kontrolliert werden und die Übergänge zum Standgliding oder Standcoasting werden wesentlich leichter.

 

 

Coasting

(Das Rad läuft frei. Ein Fuß oder beide Füße stehen oben auf der Gabel.)

 

Wie sie sehen, gibt es zwei Möglichkeiten zu Coasten. Schauen wir uns erst einmal den Aufbau des Coastens mit beiden Beinen auf der Gabel an.

Wichtig ist das ruhige Anfahren im Einbein. Der Körper schwingt nicht. Bei völlig entspannter Muskulatur wird der zweite Fuß ebenfalls auf die Gabel verlagert. Der Oberkörper geht ganz leicht nach Vorne. Coasten in dieser Weise ist nur mit leicht schwingendem Oberkörper auf Dauer stabil. Das Schwingen wird mit einer kleinen Vorwärtsbewegung begonnen. Bei Kurvenfahrten geht der Körper von allein ein wenig weiter nach vorn. Die Geradeausfahrt wird danach wieder mit dem Aufrichten hergestellt.

 

Die zweite Art des Coastens ist die mit nur einem Bein auf der Gabel.

Das Anfahren aus der Einbeinsituation ist gleich. Das tretende Bein wird nun leicht nach vorne gehalten, der Oberkörper wird leicht zurück genommen. Das Coasten ist in dieser Form auch bei völlig ruhigem Oberkörper stabil. Die Stabilisierung übernimmt hier der leicht schwingende Fuß. Der Körper wehrt sich anfangs dagegen, den Körper ruhig zu halten. Die Ausgleichsimpulse sollte aber möglichst nicht umgesetzt werden.

Die Kurvenfahrt leitet der Körper auch hier allein durch leichtes Vorbeugen ein.

 

Seat in-front (auch als „Rodeo“ bekannt)

 

Der Ablauf dieses Tricks:

Langsam Anfahren,

dann bei Waagerechtstellung der Pedalen auf die Zehenspitzen gehen,

mit einer Hand den Sattel nach vorne herausziehen, die Hand zum hinteren Teil des Sattels rutschen lassen.

Der Trick sollte, korrekt gefahren, mühelos aussehen. Der Körper des Fahrers und die Sattelstange bilden ein V.

Die Hand hält den Sattel, der nicht schwingen darf, ganz leicht. Die Fahrruhe, der ruhige Geradeauslauf des Rades wird dadurch erreicht, dass der Andruck auf die Pedalen immer weiter verringert wird, bis der Tretimpuls gerade noch für die Vorwärtsfahrt ausreicht und nicht mehr nach den Seiten hin ausbrechen kann.

Der Sattel wird im gleichen Ablauf wie beim Herausnehmen, in Fußspitzenposition, mit einer wieder von vorn unter das Gesäß geschoben.

 

Seat in-back (auch Rodea genannt)

 

Der Ablauf entspricht analog dem beim Seat in-front, nur dass der Sattel nach hinten herausgezogen wird.

 

 

Seat in-back-Spin (auch als Rodea-Spin geläufig)

 

Der Fahrer zieht aus der Seat in-back-Position den Sattel an seine Hüfte und erreicht die Seat in-Side-Position. Jetzt kommt es erst einmal darauf an, so wenig als möglich Druck auf die Pedalen auszuüben und die Beinmuskeln zu entspannen. Das Treten wird nun leichter. Nun zieht der Fahrer das Sattelhorn an der Spitze gehalten leicht nach hinten zum Hüftknochen hin und richtet sich völlig auf. Das Treten wird nun sehr leicht und die Drehung schneller. Um Unwuchten zu vermeiden, wird nun der freie Arm an den Körper geführt.

Der Trick sieht spektakulär aus, ist aber relativ schnell zu erlernen.

 

 

Stand-up (-wheelwalk); auch Standwalk genannt

 

Das Entscheidende ist, auf dem Einrad für den Stand-up eine statisch solide Situation aufzubauen. Das Auf- und Absteigenlernen und das Fahren selber gelingen dann recht flüssig.

Das Bein, das auf der Gabel steht, ist leicht gebeugt und entspannt. Das andere Bein wird von der Hüfte ab bis zum Fuß steif gehalten. Es gibt dem Fahrer Stabilität und treibt den Reifen voran.

Wichtig ist nun, den Körper völlig aufrecht zu halten. Die Sattelstange setzt sich ohne Knick in der Wirbelsäule fort. (Bitte auf jeden Fall ein Hohlkreuz vermeiden.) Ist dies erreicht, pendelt der Sattel locker zwischen den Beinen. Dies ist Bedingung für die korrekte Ausführung des Tricks.

Nun wird der Reifen mit kurzen Beinbewegungen vorangetrieben. Bitte das Gleiten auf dem Reifen vermeiden.

Der Schutzreflex im Bauch zwingt den Rücken ständig nach vorne. Dies muss in der ersten Zeit fortwährend ausgeglichen werden.

Das Aufsteigen erfolgt aus der Einbeinposition. Der Körper muss für einen Sekundenbruchteil zur Ruhe gekommen sein, sonst treibt seine „träge Masse“ ihn nach vorn und das Aufsteigen misslingt.

Für das Aufsteigen wird mit lockerer Muskulatur nur die Kraft aufgewandt, die für das Aufrichten erforderlich ist. Jede Kraft mehr, würde unten im Rad ausbrechen und den Trick gefährden. Es wird sofort die endgültige völlig aufgerichtete Position eingenommen.

Es empfiehlt sich, das Auf- und Absteigen sofort ohne Handunterstützung zu lernen.

Das Absteigen erfolgt aus der aufrechten Position. Zu großes Vorbeugen würde den Schwerpunkt leicht nach vorn verschieben und in die Gefahr des unbeabsichtigten Abstiegs bringen.

 

 

Standgliding

 

Es gelingt schnell, diesen Trick zu lernen, wenn man Gliding mit beiden Füßen auf der Gabel und Standwheelwalk beherrscht.

Wichtig ist nur, sich aus der Fahrt mit so wenig Kraft als möglich und mit entspannter Muskulatur ohne Übergang sofort völlig aufzurichten. Beide Füße stehen beim Hochgehen auf den Platten der Gabel. Oben wird die Stange in der Regel nach vorne verschoben sein und muss sofort wieder mit den Kniekehlen nach hinten gebracht werden.

 

 

Standcoasting

 

Es gelingt auch schnell, diesen Trick zu lernen, wenn man sicher Coasting mit beiden Füßen auf der Gabel und Standwheelwalk beherrscht.

Angefahren wird mit Coasting oder Gliding.

Die nächsten Schritte sind die mit denen zum Standgliding identisch, also aus der Fahrt mit so wenig Kraft als möglich und mit entspannter Muskulatur ohne Übergang sofort völlig aufzurichten, beide Füße auf den Platten der Gabel und oben die Stange nach hinten bringen. Oben angekommen nimmt der Coaster die typische Skifliegerhaltung ein. Diese Position ist sehr fahrstabil. Nichtsdestoweniger verlangt der Körper in der ersten Zeit ständig nach Korrekturen, die aber unterlassen werden sollten. Ein Knick in der Hüfte, anstelle der durchgehenden runden Rückenspannung, führt in der Regel zum Abbruch des Tricks.

Auch hier beugt sich der gespannte Körper bei Kurvenfahrten von selber vor.

 

 

Dragseat

 

Dragseat setzt sich aus drei Teilen zusammen:

Normales Anfahren

Rodeo oder Rodea (je nachdem, ob der Sattel nach vorn oder hinten abgelegt werden soll)

Eigentliches Dragseat mit Aufheben des Sattels.

 

Das ruhige Balancieren auf dem Einrad ohne Kontakt mit dem Sattel beansprucht die Rechenleistung des Gehirns sehr. Zusätzliches, wie bewusstes Fallenlassen oder Aufheben des Sattels, kann zumindest bei Anfängern das Leistungsvermögen überfordern. Diese Anteile sollten deshalb zuerst „automatisiert“ werden.

 

Dragseat mit Sattel nach vorn:

 

Ruhige Normalfahrt; die Beine sind entspannt, das Gewicht der Füße auf den Pedalen wird bewusst wahrgenommen. Sanfter Übergang in Rodeo. Der Sattel wird nur leicht gehalten, schwingt aber trotzdem nicht. Jetzt beim Fallenlassen des Sattels bleibt die Aufmerksamkeit weiterhin ungeteilt bei dem sehr leichten Druck der Füße auf den Pedalen. Das Fallenlassen wird erst, wenn der leicht gehaltene Sattel in der Hand ruhig geworden ist, ausgelöst.

Wenn das Rad beim Dragseat hin- und herschwingt wird der Druck der Füße auf beide Pedalen noch verringert. Der Körper hebt „automatisch“ den Sattel auf, wenn das Rad nicht mehr schwingt. Auch jetzt bleibt die volle Aufmerksamkeit bei den Füßen auf den Pedalen. Das Aufheben erfordert ein leichtes In-die-Knie-gehen, wenn nicht die zweite Variable des Aufhebens fast im Stand mit einem Fuß gewählt wird. Das Aufheben geschieht ruhig und fließend, um das System stabil zu halten.

 

Dragseat mit Sattel nach hinten

 

Der Ablauf dieses Tricks ist im Ablauf ähnlich zum Dragseat in front. Beim Aufheben gibt es auch zwei Möglichkeiten (Aufheben mit der Hand oder mit der Hacke des Schuhs).

Das Aufheben mit der Hand entspricht im Wesentlichen der Situation des Sattels nach vorne.

Wenn beispielsweise dagegen der Sattel seitlich mit der Hacke des linken Schuhs aufgehoben werden soll, ist es hilfreich, dem Einrad vorher einen kurzen seitlichen Kick nach rechts zu geben. Die Sattelstange schwingt nach links und kann nun mit dem sich nach oben bewegenden oberen Rand des Schuhs leichter aufgegriffen und nach oben geschleudert werden.